loveparade

Wir trauern mit den Angehörigen der 21 Toten, die ihre Lieben wegen der Unfähigkeit der Organisatoren verloren haben.

Am 31.7. habe ich die Trauerfeier für die 21 Opfer der Loveparade und die eindrucksvolle Rede von Frau Kraft verfolgt. Ich habe mich dabei an die kleine Trauerfeier in der Leichenhalle von Mons erinnert, bei der die elf Särge der Toten des Busunglücks bei dem unser Sohn Alexander starb aufgestellt waren. Zwei Särge trugen  kein Namensschild, weil die Opfer noch nicht identifiziert waren. Der damalige Verkehrsminister, Herr Stolpe war anwesend und etliche belgische Würdenträger, sowie Feuerwehrleute. Von den Angehörigen waren nur wenige da. Ich konnte in der Situation auch keine Anschriften erfragen. Später habe ich dies bedauert, weil ich zu den anderen Angehörigen keinen Kontakt herstellen konnte und niemand uns die Anschriften geben wollte. So standen wir mit dem Anwalt gegen die zuständige Sparkassenversicherung ziemlich alleine da. Unsere Auslagen für Beerdigung, Grabstein usw. wurden erstattet, weitere Mittel wie Schmerzensgeld wurden nur in ganz geringem Umfang gewährt, und auch nur, weil wir die Behandlung beim Psychotherapeuten und in der Klinik vorweisen konnten. Wir mussten uns von der Versicherung dabei ziemlich miese Vorwürfe gefallen lassen, als wären wir Schmarotzer, die den Tod unseres Sohnes ausschlachten wollten- dabei reichten die Gelder, die weit weniger als 10.000 €uro betrugen gerade  für die Grabpflege der letzten 6 Jahre, die Ausgaben zu den Gruppentreffen der Nachsorge und unsere jährliche Fahrt am 19./20.12 nach Hensies zur Unfallstelle.

Die Schuldfrage wurde bis heute nicht geklärt. Die für Deutschland zuständige Staatsanwaltschaft in Bamberg gewährte uns wenigstens Akteneinsicht, stellte das Verfahren dann aber ein, weil das ‚Öffentliche Interesse‘ an dem Unfall zu gering sei, um die relativ leichten Verfehlungen des Busunternehmers in einem Verfahren zu behandeln. Und weil ausreichende Informationen aus Belgien nicht zu erhalten waren .Aus Belgien haben wir nur nach dem ersten Jahr, als wir am 20.12.2004 spontan ins Gericht in Mons gingen und dort den Richter aufsuchten, Informationen bekommen. Damals hieß es die Untersuchungen würden mindestens noch ein Jahr dauern. Das war es dann. Als ich mit meiner Frau Elena zwei Jahre später nach Brüssel fuhr, um die Tasche Alexanders abzuholen, sagten uns die belgischen Kripobeamten die Französische und Belgische Regierung planten, den Grenzübergang neu zu gestalten und dabei auch ein Mahnmal zur Erinnerung an den Busanfall aufzustellen. Bis heute hat sich nichts getan. Ich habe selbst ein Kreuz gezimmert und dort aufgestellt.

Der Reiseunternehmer Herr Kampmann von Rainbowtours hat sich nie bei uns gemeldet. Ebensowenig der Busunternehmer  Herr Polster von Polster Reisen in Gössweinstein. Briefe, die ich im Auftrag von Hinterbliebenen unter anderem an die beiden geschickt hatte, und in denen ich darum bat, uns zu helfen die Hinterlassenschaft unserer Hinterbliebenen zurück zu erhalten und uns bei der  Errichtung eines Mahnmals an der Grenze zu unterstützen (Wobei keine finanziellen Forderungen gestellt wurden) blieben unbeantwortet. Besonders geärgert hat mich dann ein Interview von Herrn Kampmann, das ein Jahr nach dem Unfall am 12. Februar 2005 im Hamburger  Abendblatt erschien und in dem er sich als passionierten Unternehmer darstellte, der sein Reiseunternehmen anpries und in dem kein Wort zu dem Busunglück fiel. Ein Versäumnis der unbedarften Reporterin ihn darauf anzusprechen oder war das Interview bestellt?

Das Interview steht noch im Internet: googeln nach Mathias D. Kampmann! Der Artikel heißt: Hindernisse kennt er nicht. Ich setze bewusst keinen link, weil der zu einer kostenpflichtigen Seite führt und man den Artikel auch ohne Bezahlung lesen kann.

Ich hoffe die Versprechen von Frau Kraft und anderen bezüglich der lückenlosen Aufklärung des Unglücks in Duisburg und die abgegebenen Zusagen unbürokratischer Hilfe für die Hinterbliebenen haben mehr Substanz als das was in unserem Fall propagiert wurde. Vor allem wünsche ich den Hinterbliebenen der Toten und den traumatisierten Opfern, dass sie Menschen finden, die sie durch das tiefe Tal von Trauer und Verletzung begleiten, wie wir sie in Sybille und Hartmut Jatzko, bei den Notfallseelsorgern der Ev. Kirche und bei anderen Betroffenen verschiedenster Unglücke gefunden haben.

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Über chaoszeit

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Eine Antwort zu loveparade

  1. J.Haubner schreibt:

    Es sind nun fast 5 Monate vergangen und die für die Katastrophe verantwortlichen fühlen sich keiner Schuld bewusst.Nein sie laufen frei herum haben eine wie sagt man schöne Adventszeit freuen sich auf Weihnachten. Unverantwortlich und Unerhört finde ich das. Meine Gedanken sind täglich bei den Opfern und deren Familien und Freunden.Ich wünsche auch den Verletzten dieser Katastrophe das sie die Kraft und Stärke wiederfinden ein „normales“ Leben führen zu können.Gott schenke allen die Kraft dazu.

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