Die Gesellschaft verdrängt den Tod

Wer seine persönliche Katastrophe erlebt hat, dem bleiben kaum Möglichkeiten diesen „Makel“ zu überwinden. Wieso Makel? So wie unsere Gesellschaft unbewusst den Behinderten eine Mitschuld an ihrer Situation zuweist, um nicht selbst verantwortlich werden zu müssen, so sucht sie auch bei den Verunglückten, Toten und Angehörigen eigenes Versagen und Mitschuld. Menschen, die am Grab meines Sohnes vorbeikamen und nicht wussten, dass Alexander bei einem Busunglück gestorben war, vermuteten erst mal, er habe sich bei einem Verkehrsunfall zu Tode gestürzt. Uns Eltern gestand man dann eine gewisse Zeit der Trauer zu, um sich nach einem halben Jahr zu wundern, dass wir immer noch nicht „darüber hinweggekommen“ waren und nicht unbedingt jede Party besuchen mussten.
Dass wir nach 7 Jahren immer noch jeden Tag zum Friedhof gehen, führte inzwischen zu dem Verlust fast aller früheren Freunde. Keiner will eigentlich mehr etwas von unserem Sohn hören. So erzähle ich eben Fremden und allen, die noch zuhören wollen von Alexander.

    

5 Antworten zu Die Gesellschaft verdrängt den Tod

  1. renate geiss schreibt:

    liebe familie von alexander,
    der zufall führte mich hier zu ihrer seite.es ist genau wie sie sagen ,die guten alten
    freunde gibt es nicht mehr.sie sind der meinung ein jahr trauer reicht, man muss
    nach vorne schauen das leben geht weiter.meine tochter erlebt es fast täglich dass
    irgeneiner einen dummen spruch vom stapel läßt.viele sagten sie soll sich noch ein kind anschaffen damit sie auf andere gedanken kommt.wie kann eine mutter ihr kind vergessen.unsere jasmin wurde im januar überfahren,ein herr hatte es eilig und einen schnellen BMW so fuhr er an der schulbushaltestelle viel zu schnell.es gibt soviele
    traurige seiten hier im internet aber verstehen kann man es nicht.
    ich wünsche ihnen besonders an diesem traurigen tag heute viel kraft,ein gesegnetes weihnachtsfest und alles liebe für 2011.
    herzlichen,aber auch traurigen gruß sendet ihnen
    renate geiss oma von jasmin

  2. Ramona schreibt:

    Lieber Arnhold und Familie von Alexander,
    es ist wahr die Gesellschaft möchte nichts mit trauernden zu tun haben, ich selbst betroffene Mutti, mein Sohn Ronny nahm sich das Leben, ohne jede Vor Warnung stand ich auf einmal vor den Trümmern meines Lebens, heute 3 Jahre danach, muß ich sagen, meine „Freunde“ weg, meine Geschwister wollen nix mehr hören von Ronny und Bilder von Ronny werden im Schrank versteckt, meine Mutti ist die einzige die mir aus meiner Familie zur Seite steht. Hilfe bekomme ich schwer, wollte eine Traumatherapie machen und bekam von meiner Nervenärztin zu hören , ich solle nicht in der Vergangenheit Leben sondern nach vorn schauen, ja ich weiß das das Leben weiter gehen muß, aber kaum einer kann mir sagen wie. Ich werde dafür bestraft, das mein Sohn diesen Weg gegangen ist. Aber ich habe liebe Menschen kennen lernen dürfen bei LoD, „eigentlich“ fremde Menschen, die mir zuhören und mich trösten, obwohl sie selbst dieses schwere Schicksal tragen müssen ein Kind verloren zu haben. Liebe Familie von Alexander, es tut mir unendlich weh von dem Schicksal Ihres Sohnes zu lesen, er war doch so tapfer und wollte seine Freundin retten, wo sind da die höeren Mächte, seine Schutzengel, das kann nicht Gott gewollt sein das unsere Kinder gehen mußten.
    Ich möchte Ihnen mega viel Kraft auf Ihrem schweren Weg wünschen und liebe Menschen die sie tragen und trösten und Ihre Trauer mit Ihnen teilen um Ihren Lieben Sohn und seine Freundin, aber auch die anderen Menschen die bei diesem Unglück ums Leben gekommen sind.
    Traurige, mitfühlende Grüße von Ramona mit Ronny,Maiki und meinen 3 Schmetterlingen im Herzen

  3. gabriele Marggraff schreibt:

    Liebe Familie von Alexander,
    vor 8 Jahren starb mein Sohn Alexander als Beifahrer bei einem Verkehrsunfall, 2 Monate vor seinem 20. Geburtstag.
    Für den heutigen, so schweren Tag wünsche ich Ihnen viel Kraft und viele schöne Erinnerungen an Ihren Sohn.
    Ein lebbares Weihnachten und alles Liebe für 2013.
    Gabi mit Alexander, so unendlich vermisst

    • chaoszeit schreibt:

      Vielen Dank Frau Marggraff!
      Ich weiß, dass selbst Betroffene gut verstehen wie es einem am Geburtstag und an den Jahrestagen geht.
      Ich werde mit meiner Frau Elena am 20.12. zur Unfallzeit wieder an unserem Kreuz an der Autobahn
      an der belgisch- französischen Grenze für alle 11 bei dem Busunglück tötlich verunglückten
      Kerzen anzünden.Dieses Jahr waren wir- wegen dem Verfahren gegen den Busunternehmer- schon zweimal
      an der Stelle.

      Auch ihnen wünsche ich ein erträgliches Weihnachtsfest.

      Mit liebem Gruß

      Arnold Simon

  4. Marion Bode schreibt:

    Liebe Familie von Alexander,
    viel Kraft für den heutigen Tag und die vielen folgenden schweren Tage und Momente,
    die einen immer wieder so hart und teils so unvermittelt treffen.
    Die nicht betroffenden Menschen verstehen nicht,dass es letztlich mehr die Sehnsucht nach unseren Kindern ist,die uns so fertig macht,als die Trauer….wenn man es denn überhaupt trennen kann…
    Unser Sohn starb vor 5 Jahren mit 18 Jahren an aplastischer Anämie,wir konnten uns wenigstens verabschieden und doch kann man es kaum begreifen…
    Alles Liebe für Sie,
    Marion Bode

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