Die Katastrophe

Am 19.12.2003 fuhr ein Neoplan- Bus des fränkischen Busunternehmens Polster im Auftrag des Reiseanbieters Rainbowtours von München nach Paris. Einer der beiden Fahrer steuerte den Bus über Augsburg, Stuttgart, Frankfurt, Köln und Aachen, während der zweite Fahrer daneben saß. Dann wurde getauscht und der bisherige Fahrer kroch in seine Schlafkabine.  Um 5:20 Uhr an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich raste der Bus mit hoher Geschwindigkeit in einer leichten Rechtskurve mit der linken Frontseite gegen die seitliche Fahrbahnbegrenzung, schlidderte daran entlang,  Teile der Vorderachse wurden  abgerissen  und er ging dann in Flammen auf, wobei sich das Feuer von hinten durch den Laderaum des Busses explosionsartig nach vorne bewegte. Gegen diese Absperrung raste der Bus.Die aus dem Schlaf aufgeschreckten Reisenden, meist junge Leute, die die Billigreise gebucht hatten, versuchten in Panik aus dem völlig verqualmten Bus zu entkommen, dessen Türen sich verklemmt hatten. Viele konnten durch die Fenster fliehen, einige schafften es erst nachdem der Fahrer aus der Schlafkabine durch die Frontscheibe geklettert war und von außen die hintere Tür geöffnet hatte. Zehn Reisende und der Busfahrer kamen ums Leben. Zu ihnen gehörten auch mein Sohn Alexander und seine Freundin Yvette. Er hatte am 17.12. seinen 24. Geburtstag gefeiert und die Reise von Yvette (22) geschenkt bekommen. Wie ich inzwischen erfahren habe, hatte Alexander den Bus bereits verlassen, war dann aber, als er Yvette nicht finden konnte wieder zurückgegangen. Sein verkohlter Körper wurde im hinteren Teil des Busses auf dem Boden gefunden. Es starben der Fahrer Klaus Franke, Adalet,Renate, Katrin, Christiane, Enesa, Mark,Sandra, und Sanja. Bis heute, Juni 2010 haben die Angehörigen keine abschließende Erklärung für den Unfall erhalten. Die Staatsanwaltschaft in Bamberg stellte die Untersuchungen letztes Jahr ein, weil  von dem zuständigen Untersuchungsrichter in Mons, Belgien keine Aktivitäten mehr zu verzeichnen waren. An der Unfallstelle haben wir ein Kreuz errichtet.

Das Erinnerungskreuz am 19.12.2009

Februar 2012 

Aus Belgien kamen jetzt zwei Einschreiben mit denen wir zu einer Verhandlung zu dem Busunglück eingeladen wurden. Das Verfahren, in dem das weitere Vorgehen behandelt werden soll, findet im April in Mons statt. Wir können uns als Nebenkläger registrieren lassen und haben damit Akteneinsicht. Ich vermute, dass das Verfahren nach über acht Jahren jetzt abgeschlossen werden soll und man uns halt die Möglichkeit geben will, uns anhand der (französischsprachigen) Akten über die Untersuchungen zu informieren. Wir werden auf jeden Fall hinfahren.

Zurück aus Mons.

Am 17.4.2012 waren wir zu einer Verhandlung des Tribunals der 1.  Instanz nach Mons geladen.  Außer uns waren nur die Eltern der Reiseleiterin aus Berlin anwesend. Dazu kamen zwei Angehörige der Luxemburger Protection Civil, die Sybille Jatzko zu unserer Unterstützung organisiert hatte. Leider durften sie nicht mit in die Verhandlung, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. Das Gericht hatte einen amtlich vereidigten Übersetzer bestellt. Nach zwei Wartestunden- vorher lief ein Arbeitsgerichtsprozess mit großem Medienauflauf- nahmen wir im Gerichtssaal Platz. Der Untersuchungsrichter Pilette trug die Ergebnisse der Untersuchung vor. Er kam zu dem Schluss, dass der Fahrer zu schnell auf der falschen Spur gefahren sei und übermüdet war. Er beantragte den Busunternehmer Rainer Polster, der durch seine Fahrereinteilung an der Überziehung der Lenkzeiten schuld sei, wegen elffacher unbeabsichtiger Tötung und über dreißigfacher unbeabsichtigter Körperverletzung vor einem Strafgericht anzuklagen. Dem schloss sich die Anwältin der Region an. Die Richterin entschied dann, dass das Verfahren gegen Polster einem Strafgericht übergeben wird. Es wird also in Belgien nach acht oder vielleicht noch mehr Jahren zu einem Strafverfahren kommen, zu dem wir auch eingeladen werden.

Am 15.Juni 2012 um 8.30 Uhr beginnt vor dem Polizeigericht  in 7000 Mons Belgien-Justizgebäude- Rue de Nimy 28 das Verfahren gegen Rainer Polster.   8 1/2 Jahre nach dem Busunglück.

Das Verfahren wurde auf den 16.11.2012 verschoben, weil von der beklagten Seite niemand anwesend war und der Richter H. Polster nochmals Gelegenheit geben
wollte, sich zu äußern.

Mons 16.11.2012: Eine Anwältin, die die Versicherung vertritt war anwesend und beantragte eine erneute Verschiebung, weil nicht klar war, ob sie nur die Versicherung oder auch Rainer Polster vertreten sollte. Am 18.1.2013 findet eine erneute Verhandlung statt, bei der nur die Anwälte zugegen sein müssen.

3,5,2013 Heute war der letzte Verhandlungstag in Mons. Der beklagte Busunternehmer war wieder nicht erschienen. Der Anwalt der Gegenseite sagte, er vertrete nur die Versicherung. Das Urteil wird am 10. Juni verkündet.

 Bei dieser Gelegenheit besuchten wir die Unfallstelle und pflanzten eine Strauchrose an unserem Erinnerungskreuz. Diesmal mit einem kleinen ‚Zaun‘, damit sie nicht wieder von der Straßenmeisterei niedergemäht wird. Wir mussten diesmal ziemlich lange warten, bis im Verkehr eine ausreichende Lücke war, um gefahrlos auf die Wiese zwischen den beiden Autobahnspuren zu gelangen. Seit dem Umbau der Grenze läuft der Verkehr ungebremst.

Mai 2013 10

 

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Trauerarbeit mit dem Bildhauer Joachim Kreutz

Bericht des SWR

SWR1 Sonntagmorgen Begegnungen

 

Trauer als Lebensenergie

Sonntag, 03. November 2013

Annette Bassler, evang. Kirche, trifft Joachim Kreutz, freischaffender Bildhauer, Nieder-Ursel bei Frankfurt

Der November ist ein Trauermonat. Viele gehen an die Gräber und denken an ihre Lieben, die gestorben sind. Ein besonderer Trauerbegleiter ist Joachim Kreutz. Er ist von Beruf Bildhauer und entwirft und gestaltet mit Eltern, die ein Kind verloren haben, den Grabstein für dieses Kind. Das ist ein gutes Stück Arbeit. Und am Ende ist Joachim Kreutz immer wieder überrascht, wie heilsam diese Arbeit für die trauernden Eltern ist und wie schön solche Grabsteine werden.

Wo haben sie so was, dass jemand vor dem Denkmal, vor dem Grabmal des Kindes steht und sagt: „Mein Gott, ist der schön!“ Und dann denk ich, da mach ich die richtige Arbeit. Ich mach nämlich keinen Grabstein, wir schaffen diesem Kind, dieser Seele eine Skulptur.

Joachim Kreutz ist Bildhauer in Nieder- Ursel bei Frankfurt. Dort entstehen nicht nur seine eigenen Skulpturen. Sondern auch Skulpturen, die er gemeinsam mit trauernden Eltern entwirft und gestaltet. Skulpturen, die dann auf dem Grab ihres Kindes stehen. Seit 10 Jahren arbeitet er mit Einzelnen und Gruppen und hat entdeckt: Wer Steine zu bearbeiten hilft, der eigenen Trauer eine zu Gestalt zu geben. Und die Trauer in Lebensenergie zu verwandeln.

Der Trauer eine Gestalt geben
Man muss seinen Rhythmus finden beim Steine bearbeiten. In der einen Hand den Meisel, in der anderen den Klöpfel arbeitet man sich Millimeter um Millimeter voran. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis alles weg ist, was nicht hingehört. Joachim Kreutz hat schon viele Grabsteine hergestellt, auftragsgemäß. Eines Tages kommt ein junger Mann in sein Atelier. Seine Frau sei an Leukämie gestorben, sagt er. Ob er den Grabstein für sie selber machen darf und ob er ihm dabei hilft. Joachim Kreutz lässt sich darauf ein. Er sucht mit ihm den Stein aus, erklärt ihm die Grundtechniken und dann-

Dann hat er angefangen zu hauen mit einer Gewalt, mit einer Aggression, das war nicht mehr normal. Dann hab ich gesagt: was machst du denn da? Sagte er: So ein Mist, warum passiert mir das?. Warum stirbt meine Frau, die ich so geliebt hab! Und das fand ich erstaunlich, dass das Gefühl so stark kommt beim Stein hauen.

Wut und Schmerz, aber auch Liebe und Hingabe. All das meißelt er in den Stein. Als er fertig ist, setzen ihn die beiden Männer auf das Grab der geliebten Frau. „Können wir noch ein Gebet sprechen?“ fragt der Mann.

Dann haben wir uns hingekniet, haben ein Vater Unser miteinander gesprochen. Wir haben beide Rotz und Wasser geheult, es war so ergreifend. Und dann steht er auf und sagt: Jetzt hab ich was abgeschafft.

Mich erinnert das an Heilungsgeschichten in der Bibel. Da tobt und wütet einer über seinem Schicksal. Und irgendwann öffnet sich ihm der Himmel. Die Wut auf das  Schicksal, die Verzweiflung, die Trauerstarre lösen sich auf. Und auf einmal kann sich der Mensch wieder dem Leben zuwenden. Joachim Kreutz hat dieses Erlebnis ein paar Jahre mit sich herumgetragen und darüber nachgedacht. Was war das damals eigentlich? Heute beschreibt er es so:

Diese Umwandlung von dieser Trauerenergie in eine schöpferische und dass das wirklich geht, dass ich mir meine Trauer angucken kann nachher durch meinen schöpferischen Prozess kann ich mir das Stück angucken und auch die Anderen können es sich angucken. Ich hab’s ein Stückweit aus mir raus.

Ich habs aus mir raus, das heißt: Ich bin diesen Gefühlen nicht mehr ausgeliefert. Das ist möglich, wenn man drüber redet. Oder wenn die Gefühle eine Gestalt bekommen. Zu einer Skulptur werden. Und diese Skulptur wird zu einer Art Brücke. Eine Brücke zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Viele Eltern, die um ihr totes Kind trauern, sind dankbar für die Möglichkeit, mit ihm solche Brücken zu ihren Kindern zu schaffen.
Alles, was wir an guten Energien, an Gestaltungskräften in so ’ne Skulptur… reinlegen, geben wir mit. Da empfinde ich schon, dass auch in der Arbeit mit den Eltern eine Transparenz entsteht zwischen dieser geistigen Welt und unserer Welt, es wird transparenter und ich denk, das spüren die Eltern sehr genau.

Trauer: das Nachtgesicht der Liebe
In seiner Werkstatt stehen wunderschöne Steine. Roh behauene und fertige Grabsteine, die er gemeinsam mit trauernden Eltern entworfen und fertig gestellt hat. Viele wissen nicht recht, wie sie Eltern in ihrer großen Trauer begegnen sollen. Er sucht die Nähe zu ihnen. Warum?
Einmal, ham Eltern das Grabmal gemacht für Smila, die einen Tag vor der Geburt gestorben und die Mutter musste es zur Welt bringen. Und da gibt es ein Foto, wo Vater und Mutter dieses tote Kind im Arm halten. Ich hab noch nie so viel Liebe gesehen wie da.

Und darum geht es ihm eigentlich. Um die Liebe. Die Liebe ist das Taggesicht der Trauer.
Aber weil sie in der Nacht der Trauer gefangen ist, schreit sie danach, wieder ans Licht zu kommen. Und Gestalt werden zu dürfen. Und dabei hilft Joachim Kreutz den Eltern. Ganz praktisch. Er geht mit ihnen auf den Friedhof, ans Grab ihres Kindes. Steckt sich weichen Ton in die Tasche.

Die Eltern erzählen mir von der Biografie des Kindes und während die Eltern mir das erzählen, fang ich an zu modellieren. Und ich brauch gar nicht hingucken auf meine Finger, das brauch ich gar nicht, das formt sich fast von allein. Und nach einer Stunde, anderthalb, dann guck ich hin und denk: Ach, das ist aber eine interessante Form! Dann lass ich die Mutter modellieren, lass den Vater modellieren, korrigiere das noch ein bisschen und sag: Das- ist er!

So entsteht das Modell. Für den Grabstein, der eigentlich kein Grabstein ist, sondern so etwas wie die Skulptur einer Kinderseele. Joachim Kreutz sieht sich dabei vor allem als Werkzeug dafür, dass Trauer sich in Lebensenergie verwandeln darf.

Es gibt dafür keine Ausbildung, Sie können das zwar handwerklich irgendwie machen und können ein guter Pädagoge sein, aber Sie brauchen eins und das ist das, was mich so prädestiniert dabei. Ich hab einen unglaublich starken.. mütterlichen Anteil. Den brauchen Sie! Sie können nur Werkzeug sein, wenn Sie auch ein Stück mütterlich sind- dieses: dienen oder tun, einfach tun.

Selten habe ich während eines Gespräches ein so starkes Gefühl von Leben gehabt. Wie wertvoll es ist, zu leben und anderen zum Leben zu verhelfen. So wie Jesus das gemacht hat. Der sich ohne Scheu trauernden und verzweifelten Menschen zugewandt und sie zu neuem Leben geführt hat. Joachim Kreutz hat sich als Künstler, der er ist, noch einmal neu verstanden.
Dass ich das Werkzeug bin, das ist die Kunst, die Kunst Werkzeug zu sein und nicht der große Künstler, der sagt: schauen Sie mal, was ich hier Wunderbares habe für Sie, sondern sich auch zurückzunehmen und den festen Glauben zu haben, dass Menschen eine große Gestaltungskraft haben. Wenn Sie das machen, werden Sie zu einem gestalterischen Werkzeug. Und dann erreichen wir unser Ziel wunderbar.

Das Gefühl, Werkzeug zu sein- die Bibel sagt dazu Demut. Die wünsche ich allen Künstlern- Ihnen und mir.

www.Joachim-Kreutz.de

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Jahrestag 2015 in Hensies

Am 19.12. traf ich mich wieder mit Andreas an der Unfallstelle. Diesmal war die linke Fahrspur der Autobahn abgesperrt. LKW wurden über den Parkplatz geleitet und etwas oberhalb unserer Gedenkstätte kontrollierte die Polizei. Es waren zwei Polizisten im Kampfanzug mit Maschinenpistole und drei Beamte in blauen Uniformen. Wie ich erst später erfuhr handelte es sich um Franzosen. Der Verkehr floss im Schritttempo vorbei, ab und zu wurde ein Fahrzeug herausgewunken und kontrolliert. Wir gingen zu den Polizisten, um zu fragen, ob wir über die Fahrbahn zu unserem Kreuz dürften und ich versuchte zu erklären, dass wir zu dem Jahretag des Busunglücks da wären.                            Doch der Polizist, den ich höflich gefragt hatte, blaffte mich an, ohne sich überhaupt anzuhören, was ich weiter erklären wollte, ob ich noch einen Unfall verursachen wollte und wir sollten sofort verschwinden. So ein A………                                                                         Wir stellten unsere Blumen und die Leuchte erst mal auf der Seite gegenüber der Unfallstelle ab.

2015-12-19 14.18.50In der Nacht kamen wir zum Unfallzeitpunkt um 5.20 Uhr wieder. Jetzt war die Fahrspur komplett gesperrt und alle Fahrzeuge fuhren über den Parkplatz, wo die Kontrollen stattfanden. Wir gingen einfach über die gesperrte Autobahn zu dem Kreuz. Zwei Polizisten kamen herangelaufen, kehrten aber um, ohne uns anzusprechen, als sie sahen, dass wir an unserer Gedenkstätte waren. So konnten wir doch, wie jedes Jahr zum Unfallzeitpunkt an der Stelle sein.

2015-12-20 05.19.43

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Der German Wings Absturz

Wie erlebt man, als jemand, der vor Jahren selbst den Tod seines Kindes bei einer Katastrophe im Ausland erfahren musste, den Absturz der German Wings Maschine?   Wie bei jedem  Unglück, das in den vergangenen Jahren in den Nachrichten gemeldet wurde, macht es zutiefst betroffen, ja mehr noch- es schmerzt unsäglich, wenn die Gedanken  gleich an die betroffenen Eltern, Lebenspartner und Angehörigen gehen.        Die Ängste, Hoffnungen, die Wut und der Schmerz, die sie empfinden, lassen die selbst erfahrenen Gefühle – die nie wirklich verschwunden waren, sondern seit Jahren unter der Oberfläche lauern – wieder voll hervorbrechen. Der Verlust des eigenen Kindes ist wieder ganz nah und der Schmerz überwältigt dich.                                                                                     All‘ die Jahre haben wir uns bemüht jedes Detail des Busunglücks zu erfahren- was uns bisher noch immer nicht gelungen ist. Wir haben die Bemühungen des Gerichts in Mons begleitet, das zumindest einen Teil der Schuld bei dem Busunternehmer sah, der sich seiner Verurteilung mit allen möglichen juristischen Tricks entziehen konnte.                    Wir mussten uns Beschimpfungen und Drohungen der zuständigen Versicherung anhören, denen die recht niedrigen, in Deutschland üblichen Schmerzensgeldforderungen unseres Anwalts noch zu hoch waren.                                                                                                 Wie schlimm muss es für die Angehörigen sein, zu wissen, dass der Tod ihrer Lieben kein Unfall war, sondern bewusst herbeigeführt wurde!                                                                          Ich habe in den Berichten und Talkrunden rund um den Flugzeugabsturz  viele liebe Bekannte und Freunde gesehen, die uns auf dem Trauerweg begleitet und geholfen haben. Sybille und Hartmut, die wohl die größte Erfahrung in der Begleitung von Opfern und Betroffenen haben und zu denen wir den Kontakt auch nie aufgeben wollen, denn auch heute noch helfen sie uns, wenn  wir mit unserer Trauer wieder an einem Punkt sind, an dem wir nicht mehr weiter wissen.                                                                                             Melanie, die ihre Eltern bei dem Birgain Air Absturz verlor und sich für das Zusammenbleiben der Geschwister einsetzte und Heike, die selbst ihren Lebensgefährten bei dem Brand im Düsseldorfer Flughafen verlor und jetzt als Notfallhelferin im Kölner Dom neben der Sprecherin der Hinterbliebenen stand.                                                             Aus meiner Erfahrung kann ich den Hinterbliebenen nur raten, die angebotenen Hilfen der Notfallseelsorger anzunehmen, sich in Gruppen zu organisieren und gemeinsam das furchtbare Erlebnis aufzuarbeiten. Es wird Jahre dauern bis eine quasi Normalität eintritt und auch dann werden immer Phasen eintreten, wo man glaubt es nicht mehr ertragen zu können.                                                                                                                                                     Wie hat es Hartmut Jatzko formuliert: Es ist wie bei einer Schallplatte, die einen Kratzer bekommen hat. Den kann man nicht mehr beseitigen, aber man kann damit leben.

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20.12.2014- 11.Jahrestag

An diesem Freitag/ Samstag war ich alleine mit Andreas

an der Unfallstelle. Elena macht Familienurlaub auf den Philippinen.

Nur wenige Meter vor unserer Gedenkstätte hat man jetzt die Rasenfläche

zwischen den beiden Fahrbahnen asphaltiert.

Warum? Das hat sich uns nicht erschlossen. Zumindest konnten

wir jetzt die Autobahn überqueren ohne über Leitplanken steigen zu müssen.20141219_154146 20141219_154202 Hensies 2014

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Verfahren geht weiter!

Wie uns per Einschreiben mitgeteilt wurde, hat der Busunternehmer Polster eine Revision des Verfahrens erreicht. Angeblich hat er die Ladungen zu den Gerichtsverhandlungen nicht erhalten. Das Revisionsverfahren findet im März im Polizeigericht in Mons statt.
Wir werden nicht mehr anreisen. Unsere Anwältin, die uns als Nebenkläger  vertritt, wird uns über den Ausgang informieren.                                                                                              Uns beschäftigt mehr, was wir an unserer Gedenkstätte bei Hensies von den beiden Polizeibeamten, die bei dem Unfall 2003 vor Ort waren gehört haben.                                  Bevor wir erfuhren, daß Alexander bei dem Busunglück ums Leben gekommen war, sahen wir im Fernsehen Bilder von dem Unfall. Dabei fiel uns eine Leiche auf, die außen vor dem hinteren Buseingang lag. Sie war mit einem weißen Laken abgedeckt, man konnte aber auf ersten Fernsehbildern  erkennen, dass die Person  Turnschuhe der Firma Nike trug, wie sie auch unser Sohn getragen hatte. Später war alles abgedeckt.                                                   Weil meine Frau die Leiche unseres Sohnes sehen wollte, sprachen wir am 23.12.2003 mit dem Untersuchungsrichter. Er zeigte uns eine Skizze, auf der die Fundstellen der Toten markiert waren. Auf meine Frage nach Alexander, zeigte er auf die Leiche vor dem Bus.       Ich fragte nach, wieso er gestorben ist, wenn er schon draußen war. Darauf sprach der Richter mit einem Kriminalbeamten, der mit dem Plan nach draußen ging und als er wiederkam, auf eine Markierung im Bus zeigte- es wäre ein Irrtum gewesen.                       Die Leiche, die meine Frau zu sehen bekam, war bis zur Unkenntlichkeit verbrannt.             Als wir 2006 mit dem Paar, das im Bus hinter Alexander und Yvette saß, Kontakt hatten,   erfuhren wir, dass Alexander wohl schon den Bus verlassen hatte und wieder zurück wollte, weil er Yvette nicht fand. Wir fuhren danach zum BKA nach Wiesbaden, um mit den Beamten zu sprechen, die die Identifizierung mit durchgeführt hatten. Dort wurde uns gesagt, Alexander habe im Bus gelegen- die Leiche vor dem Bus sei eine Frau gewesen.       Nun erfuhren wir von den Augenzeugen in Hensies, die Leiche vor dem Bus sei ein junger Mann gewesen, der seine Freundin aus dem   brennenden Bus holen wollte und dabei von einem ‚fireblast‘ aus dem Bus getötet wurde.  Sie haben den Toten selbst gesehen und es gäbe keinen Zweifel, dass es eine männliche Leiche gewesen sei.                                                 Jetzt warten wir darauf, ob unsere Anwältin in den Akten Fotos finden kann, die eindeutig zeigen, wer vor dem Bus starb. Sollte es Alexander sein- und wenn es ein Mann ist, kann nur er es gewesen sein- liegt er vielleicht nicht in dem Grab, das wir 10 Jahre besucht und gepflegt haben.

MICHEL SPINGLERGut, dass wir nicht nach Mons gefahren sind. Auf Antrag von Polsters Anwalt wurde das Verfahren wieder einmal verschoben. Wir wären umsonst zwei Tage unterwegs gewesen.

22.12.2014

Ob das Verfahren gegen den Busunternehmer jetzt eingestellt wurde oder weitergeht konnten wir bisher nicht mehr erfahren.                                                                                            Auch zu unserer Frage nach der Identität des Toten vor dem Bus haben wir keine Antwort.

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10. Jahrestag in Hensies

Unfallstelle TagEs war für uns alle ein überwältigendes Erlebnis. Mein tiefster Dank gilt Sybille Jatzko und Pastor Uwe Rieske, die als perfektes Team für die Stiftung  Notfallseelsorge der evangelischen Kirche Rheinland tätig sind. Sie hatten den 10. Jahrestag perfekt vorbereitet.                                                                                                                              Herzlichen Dank auch dem Pfarrer der Kirche von Hensies, der uns seine schöne Kirche beheizt und weihnachtlich geschmückt zur Verfügung gestellt hatte. Tiefen Dank dem einfühlsamen Organisten für seine wunderschöne Musik.Vielen Dank den Bürgerinnen und Bürgern von Hensies, die durch ihre Anwesenheit bei der Abendandacht ihre Anteilnahme zeigten. Aufrichtigen Dank dem Hotelier M.Dupont von der Auberge XIX eme ciecle in Thulin, der sich rührend um unser Gruppe kümmerte und für uns in den   vergangenen 10 Jahren zum Freund wurde.                                                                                      Herzlichen Dank den Polizeibeamten, die mit 5 Fahrzeugen an die Unfallstelle gekommen waren, um uns beim Überqueren der Autobahn abzusichern. Sehr geholfen hat uns dort das Gespräch mit zwei Polizisten, die bei dem Unglück vor Ort waren und uns Erkenntnisse in einer ungelösten Frage vermitteln konnten.

Gruppe nachts Kirche Hensies Kirche Kerzen Polizeiautos Kirche Uwe+Dolmetscherin Unfallstelle Nacht

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